Über das Wild und die Jagd in Reigoldswil

In den Wäldern von Reigoldswil lebt eine wahre Vielfalt an Wildtieren. Rehe, Hasen, Füchse, Dachse, Marder, Iltisse, Wildschweine, Gämsen, Wildkatzen und Luchse sind bei uns zuhause. Diese Artenvielfalt zu erhalten, ist die Kernaufgabe der Jagd. Selektiv betrieben fördert sie die Gesundheit und das Gleichgewicht unter den Wildtierpopulationen und leistet damit einen wichtigen Beitrag für die Forst- und Landwirtschaft. Der Bevölkerung ohne jagdlichen Bezug das Weidwerk und seine Wichtigkeit näherzubringen, bleibt dabei eine der grössten und wichtigsten Herausforderungen.

Die Reigoldswiler Wildbestände und ihre Bejagung
Erlegt ein Jäger einen Fuchs, so überleben mehr bodenbrütende Vögel, Junghasen und Rehkitze. Schwächere Arten werden also durch das Bejagen der Stärkeren begünstigt. Seit die Jagd selektiv betrieben wird und vom Aussterben bedrohte Arten gefördert werden, besteht wieder eine Vielfalt, wie es sie lange nicht mehr gegeben hat. Mittlerweile konnten in der Nähe von Reigoldswil sogar das Durchziehen eines Hirsches und eines Wolfes bestätigt werden.

Die Geschichte der Schweizer Wildbestände
Im 19. Jahrhundert führte die Armut zusammen mit dem Aufkommen von Feuerwaffen und den damals lockeren Gesetzen nahezu zur Ausrottung der heimischen Wildtiere. Zusätzlich wurden ihre Lebensräume durch die vielen Waldweiden und die rege Nutzung des Waldes zum Sammeln von Waldstreu und Brennholz beunruhigt. Diese Kombination führte zu kleinen und instabilen Reh-, Gams- und Schwarzwildbeständen. Der Hirsch, der Steinbock sowie alle Grossraubtiere wurden ganz ausgerottet und konnten sich erst anfangs des 20. Jahrhunderts zusammen mit den Rehen, Gämsen und Wildschweinen wieder zu grösseren Beständen entwickeln. Das ist vorwiegend den Naturschutzbestrebungen zu verdanken, welche heute stärker beachtet werden als je zuvor.

Die Hauptwildarten von Reigoldswil

Rehwild
Der Reigoldswiler Rehwildbestand erreichte in den 1980er-Jahren mit rund 80 Tieren seinen Höhepunkt. Heute liegt die Rehwilddichte bei rund 15 Tieren pro 100 Hektaren Wald, was rund 60 Tieren entspricht. Bejagt werden die Rehe auf dem Ansitz während der Sommermonate Mai bis September und auf den Bewegungsjagden im Herbst. Erlegt werden jährlich rund 20 Rehe. Ziel ist, ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis und einen Anteil von 50% Jungtieren (bis zweijährig) zu erreichen. Auch Wildunfälle, Mähverluste sowie eine starke Luchs- und Fuchspopulation wirken regulierend auf den Rehwildbestand. An den milden Standorten von Reigoldswil ist die Rehwilddichte deutlich höher als in den höhergelegenen Gebieten Bürten und Wasserfallen. Das war früher anders. In erster Linie hängt diese Veränderung mit dem aktuell kleineren Bestand zusammen. Dasselbe wird auch bei Wildschweinen beobachtet. Wächst eine Population, verteilen sich die Tiere auf ein grösseres Gebiet und besiedeln Lebensräume, welche sich für die betroffene Tierart nur bedingt eignen.


Rehbock


Rehgeiss mit starkem Kitz


Vier Wochen altes Rehkitz

Schwarzwild
Die klimatischen Veränderungen mit milderen Wintern und reichhaltigem Nahrungsangebot in den Wäldern wie auch in landwirtschaftlichen Kulturen führten zu einer starken Vermehrung der Wildschweine. Zudem bieten die durch die heutige Waldbewirtschaftung entstehenden Dickungen[Dv1]  ruhige und sichere Schlafplätze, was den Wildschweinen sehr behagt. Die Wildstatistik der Jagdgesellschaft Bärengraben zeigt anhand der Abschusszahlen eine deutliche Populationszunahme.

Wildschweine können sich bei guten Bedingungen jährlich bis zu 300 % vermehren. Folglich sind in solchen Jahren auch die Schäden an den landwirtschaftlichen Kulturen grösser und eine effektive Bejagung umso wichtiger. Aus diesem Grund können Wildschweine bis zum Alter von zwei Jahren auf dem Feld ganzjährig bejagt werden, wobei die ausgewachsenen Tiere von März bis August geschont werden. Die Bejagung des Schwarzwilds erfordert viel Aufwand und viele Einsatzstunden der Jägerinnen und Jäger sowie eine gute Kommunikation mit den Landwirtinnen und Landwirten. In Reigoldswil wurden seit 1993 über 70 Wildschweine erlegt.


Wildschweinrotte im Gebiet Strick, Binzenberg


Einzelner Keiler an einer Suhle

Raubwild
Anfangs des 20. Jahrhunderts wurden Füchse, Dachse und Marder viel intensiver bejagt als heute. Für ein Marderfell löste man damals über hundert Franken, weshalb es sich lohnte, die tägliche Arbeit ruhen zu lassen, um in der Scheune während mehrerer Tage auf Marderjagd zu gehen. Auch für Fuchsfelle, welche heute nur noch fünf Franken wert sind, wurden bis zu siebzig Franken bezahlt. Die heutige Fuchs- und Dachsjagd dient vor allem der Regulierung und somit dem Vorbeugen von Krankheitsausbrüchen wie Tollwut, Fuchsräude oder Staupe. Füchse finden in Wohngebieten viel Futter, wobei Dachse das Nahrungsangebot der landwirtschaftlichen Kulturen bevorzugen. Dort sorgen sie vor allem in Maisfeldern für Ertragsausfälle. Da Füchse und Dachse ihre Jungen früh im Jahr zur Welt bringen, werden sie von Ende Winter bis zur Mitte des Sommers nicht bejagt.  


Dachs auf Nahrungssuche 


Fuchs im Winter


Fuchs beim Mäusefangen

Weniger stark vertretene Wildarten

Hasen
Obwohl eine Häsin bis vier Mal jährlich zwei bis vier Kleine zur Welt bringt, hat sich der Hasenbesatz deutlich reduziert. In den 1990er-Jahren wurden in der Statistik der Jagdgesellschaft Bärengraben jährlich noch fünf bis zehn Hasen aufgeführt, welche erlegt wurden oder dem Strassenverkehr zum Opfer fielen. Heute sind sie laut Gesetz jagdbar, werden aber aufgrund der kleinen Population von den Baselbieter Jägerinnen und Jäger geschont. Die grösste Chance einen Hasen anzutreffen, besteht in den Gebieten Bürten, Lucheren, Strick und Gauset. Nebst dem intensiven Futter- und Ackerbau sind auch die vielen Greifvögel, Füchse und Katzen Grund für den kleinen Bestand. Die Population im ganzen Gemeindebann besteht nur noch aus rund zehn Tieren.


Zwei Hasen während der Paarungszeit im Frühjahr

Gämsen
Der Gämsenbestand hat sich erst in den 1990er-Jahren allmählich entwickelt, wobei in Reigoldswil immer nur vereinzelte Tiere gesichtet wurden. Die höhergelegene Nachbargemeinde Lauwil verfügt mit dem Geiteberg über ein perfektes Habitat für Gämsen. Um 1990 hat sich der Gamsbestand so weit entwickelt, dass im Geiteberg zwischen 25 und 30 Gämsen lebten. Heute ist der Bestand rund halb so gross. Ein Grund für den Rückgang der Gämsen ist das vermehrte Vorkommen von Luchsen. In Reigoldswil werden vereinzelt Gämsen in den Gebieten Ryfenstein, Baberten, Bürten und Wasserfallen beobachtet. Erlegt wurde bisher nur eine Gams, im Gebiet Bürten.


Gämse im Bärengraben   


Gämsen unter der Bürtenfluh

Wildkatzen und Luchse
Die Population der Wildkatzen sowie der Luchse ist in den vergangenen Jahren deutlich grösser geworden. Luchse werden im ganzen Revier mittels Wildkameras oder durch das Auffinden von Rissen festgestellt, während Wildkatzen vor allem in den Gebieten Binzenberg, Strick, Wiedenholz und Gauset vorkommen. Im Jagdjahr 2018/19 wurden in Reigoldswil acht Luchsrisse entdeckt. Die hohe Zahl hing vor allem mit einer Luchsin zusammen, welche im Bogental (Lauwil) drei Junge aufzog und daraufhin oft in Reigoldswil jagte.


Wildkatzenmutter mit zwei Jungen 


Luchs oberhalb der Bärengrabenhütte

Die seltenen Gäste

Rotwild
Im Jahr 2014 wurde in Reigoldswil erstmals ein Rothirsch gesichtet. Nachfolgend konnte im Frühjahr 2021 und 2023 ein Hirschstier im benachbarten Ziefen im Gebiet Holzenberg mittels Fotofalle nachgewiesen werden. Es ist wahrscheinlich, dass in Zukunft öfters Hirsche in unserer Region vorkommen werden. Ein zentrales Problem für Ausbreitung des Hirsches ist das eingezäunte Autobahnnetz mit den noch fehlenden Wildtierübergängen, welches seine Lebensräume stark einschränkt.

Wolf
Im November 2021 wurden auf dem unteren St. Romay in Lauwil sieben Hausziegen durch einen Wolf gerissen. Erstmals konnte der Wolf im Baselbiet durch einen DNA-Test bestätigt werden.


Rothirsch im Holzenberg (Ziefen, Februar 2023)    


Wolf unter der Ariflueh (Lauwil, November 2021)

Bilder: Hans Probst-Scherrer, Reigoldswil - Andreas Kofler, Bubendorf - Urs Moritz, Ziefen - Dominik Mauchle, Ziefen - Yannick Steffen, Reigoldswil

Beitrag Heimatkunde Reigoldswil zum Thema Wild und Jagd von Yannick Steffen, verfasst Anfang 2023