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Eierlesen am Nachostersonntag
Der Brauch des Eierlesens hat seine Wurzeln vermutlich in vorchristlichen Fruchtbarkeitsritualen und in der mittelalterlichen Fastenzeit. Sein Ursprung reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Einerseits symbolisierten die Eier das im Frühling wiedererwachende Leben, andererseits führte der Überschuss an Eiern nach der Fastenzeit zu spielerischen Wettkämpfen. Der Brauch ist besonders in der Nordwestschweiz, zum Beispiel in den Kantonen Basel-Landschaft, Aargau und Solothurn, verbreitet, wo er heute oft von lokalen Turnvereinen gepflegt wird.
Auch in Reigoldswil ist der Nachostern-Sonntag Tag des Eierlesens. Mitglieder des Turn- und Sportvereins, welche den Anlass auch durchführen, sammeln am Donnerstag und Freitag vorher Eier oder Geld, um Eier zu kaufen, ein. Die Eierlesen fanden zuerst an der Postgasse (vor dem Dorfplatzumbau in der Verlängerung der Chilchägerten, vor der heutigen Drogerie), später im Rüschel/Chesiweg dann auf Chläberen und zuletzt auf dem Primarschulplatz statt. Beim Eierlesen werden Reihen von Eier auf der Strasse oder Platz ausgelegt, jedes auf ein Häuflein Sägemehl, jedes zehnte Ei hart gesotten und gefärbt, die anderen roh, jede Reihe bis zu 120 Stück.
Früher wurde der Wettkampf zwischen den Eierlesenden und den Läufern ausgetragen. Während zwei Turner die Eier auflasen und sie in die mit Spreu belegten Wannen warfen, massen sich zwei Kameraden zeitlich mit einem Lauf nach Ziefen und zurück. Später vollzog sich der Wettstreit stafettenartig zwischen den Eierlesenden und einem Grüpplein von Rundläufern im Quartier. Dabei kam es weniger auf das Gewinnen als auf den Plausch an.
Heute spielt sich das Ganze auf dem Primarschulhausplatz ab. In verschiedenen Gruppen und in verschiedenen Varianten und Hindernissen werden die Eier über den Platz transportiert. Nach dem Eierlesen sind alle zu einem geselligen «Eierdätsch» eingeladen. Seit 2009 wird das Eierlesen noch alle zwei Jahre durchgeführt, letztmals 2025.
Im nachfolgenden Film wird ein Eierlesen Ende der 1950er Jahre im Chesiweg, 1987 in der Chläberen (beide Filme von Hans Probst-Grossglauser) und ein Bericht von 2023 von Maurice Mura gezeigt. Viel Vergnügen!